Strukturierte Maßnahmenplanung
Grundgedanke des Gruppentherapieangebotes der MediClin Baar Klinik ist, möglichst vielen Patienten eine Teilnahme an Therapiegruppen zu ermöglichen.
Unseren Patienten bieten wir einen Überblick über die Behandlungssegmente und indikativen Spezialisierungen der Klinik an. Wir decken einen großen Bereich der bei uns behandelten Störungsbilder in Form von Vorträgen und psychoedukativen Gruppentherapien ab.
Wir schaffen die Voraussetzungen und den organisatorischen wie inhaltlichen Überblick für die sich anschließende differente Psychotherapie.
Nach Erhebung der Anamnese und Diagnostik ergeben sich individuelle Therapieziele. Diese werden im Therapieprogramm angepasst und umgesetzt. Mit der Kombination von verschiedenen Therapieschwerpunkten ergeben sich bedarfsgerechte, komplex strukturierte Therapieabläufe.
- Zu den Hauptstörungsbildern (Angst und Zwang, Depression, Stress und Anpassungsstörungen sowie berufliche Probleme, Gesundheitsverhalten) werden Vorträge gehalten.
- Im Wesentlichen sind unsere indikativen Gruppentherapien auf die Dauer von zwei bis drei Wochen angelegt. Die Gruppen finden möglichst als offene Gruppe statt, sodass wöchentlich Aufnahme und Entlassungen möglich sind. Durch offene Gruppenkonzepte erreichen wir, dass möglichst wenige Therapien bei Urlaub oder längerer Erkrankung ausfallen.
- Wir haben uns bemüht, einerseits ein differenziertes Therapieangebot anzubieten, es andererseits so zusammenzufassen und zu vereinheitlichen, dass eine überschaubare und rationale Therapieplanung möglich wird. Eine individuelle Verlängerung oder Verkürzung im Rahmen einer sinnvollen Gesamtbehandlungsplanung ist so möglich.
- Mit unserer klinikinternen Zeitplanung und Disposition gewähren wir eine möglichst freie Kombinierbarkeit der verschiedenen Therapieangebote, so dass eine individuelle Therapieplanung möglich ist.
- Dadurch, dass die Therapieziele unserer Patienten von mehreren Therapeuten gemeinsam verfolgt werden, bieten wir einen nicht nur differenzierten, sondern auch integrierten Therapieansatz.
Behandlungskonzept
Der verhaltenstherapeutische Behandlungsansatz hat ein typisches Vorgehen:
- Klärung von Diagnose und krankheitsbedingten Beeinträchtigungen (z.B. im beruflichen Umfeld)
- Festlegen von Therapiezielen gemeinsam mit dem Patienten
- Festlegen kleiner, realistischer Behandlungsschritte
- Übendes Vorgehen schon während des stationären Aufenthaltes
- Kontinuierliche gemeinsame Bewertung der Umsetzung und der Erfolge
- Langfristige Behandlungsplanung mit Blick auf die Zeit daheim (z.B. IRENA-Maßnahme, stufenweise Wiedereingliederung, berufsfördernde Maßnahmen)
- Rückfallvorbeugung und Ausdehnung bzw. Verallgemeinerung von Therapieerfolgen („Verfestigung“)
Wichtige Schritte zur Gesundung sind:
- Verstehen von Biographie und Krankheitsentwicklung bzw. bisheriger Krankheitsbewältigung, auch im beruflich-sozialen Kontext
- Erkennen der eigenen Belastungsfaktoren
- Verarbeiten und Integrieren dieser Belastungen
- Umgang mit der Symptomatik und resultierenden Leistungsproblemen, Entwickeln von Bewältigungsstrategien
- Entwickeln einer nachhaltigen und positiven sozialen und beruflichen Perspektive
- Aktivierung von persönlichen Ressourcen
- Einübung einer gesunden und bewussten Lebensführung, Berücksichtigung ko-morbider Krankheitsfaktoren
- Reintegration in das Berufsleben
- Schulung und Beratung für die poststationäre Phase
- Einleitung von weiterführenden Maßnahmen
Behandlungstechniken und Supervision
Wir setzten eine Vielzahl von verhaltenstherapeutischen Behandlungstechniken ein. Hierzu stehen für alle Hauptkrankheitsbilder standardisierte Therapiemaßnahmen, bis hin zu kompletten Gruppenmanualen, zur Verfügung.
Auch für allgemeine Behandlungsmaßnahmen, die in vielen Therapien nötig werden, gibt es Standardtechniken. Diese umfassen Hilfen zur Diagnostik, Therapiemotivation, Therapie-Compliance, Übertragung von Erfolgen in das häusliche und berufliche Umfeld, Rückfallvorbeugung etc.
Die individuelle Fallerfassung erlaubt, verschiedenen Aspekten der Störung mit einer auf die Bedürfnisse des Patienten zugeschnittenen Therapiekombination zu begegnen. Mit den Bezugstherapeuten der Stationsteams erfolgen wöchentliche Supervisionen zu rehabilitativen, behandlungstechnischen und sozialmedizinischen Fragen durch Chefarzt und Oberärzte.
Der Einbezug des Patienten in den Gesamtbehandlungskontext wird auch durch chef- und oberärztliche Visiten gewährleistet.
Wir haben verhaltenstherapeutische Kernkompetenzen definiert, die den tragenden Teil unserer symptombezogenen Therapietechniken darstellen:
- Konfrontation
zur Behandlung von Angst- und Vermeidungsverhalten sowie von Traumata - Aktivierung
zur Therapie der Depression in den Kernsymptomen Stimmungsminderung und Antriebsverlust - Kognitive Umstrukturierung
Gedankliche Umstrukturierung dient zur Behebung von Denk- und Verhaltensblockaden, die durch verfestige negative Überzeugungen und Wahrnehmungen entstehen - Umfokussierung auf Ressourcen
Umlenkung der Aufmerksamkeit von Beeinträchtigungen, Befindlichkeitsstörungen und Defiziten hin zu Fähigkeiten und Problemlöseprozessen („Aktivposten“ bei der Lebensbewältigung)
- Selbstkontrolle
Chronifizierte Krankheiten laufen automatisch ab und entziehen sich damit der Selbstkontrolle und Veränderung. Schrittweise muss dies bewusst gemacht werden, mit therapeutischer Hilfe verändert und dann in die Selbstkontrolle des Patienten zurückgegeben werden. - Identitätsfindung und Stabilisierung
Psychische Traumata (anhaltend schädigende Erfahrungen), lebensgeschichtliche Belastungen und chronifizierte Erkrankungen beeinträchtigen das Selbsterleben und die langfristige Handlungsfähigkeit. Basis ist die Bereitstellung von Sicherheit im Therapiesetting. - Funktionalität: Leistungsorientierung und rationale Lebensplanung
Seelische Erkrankungen stellen oft dem bestmöglichen „Kompromiss“ in überfordernden Lebenssituationen dar. Die Therapie muss diese Funktion der Erkrankung verstehen und den Patienten motivieren, kurzfristige Nachteile und Belastungen zu Gunsten einer späteren nachhaltigen Verbesserung seines Lebens zu akzeptieren.